Die  politische Korrektheit hat auch den Karneval erreicht. Schon seit einigen Jahren tobt die Debatte, wie verletzend und diskriminierend beispielsweise Indianer-, Chinesen- und Eingeborenen („Neger“)-Kostüme  sind.

Ein prominentes Beispiel aus den letzten Jahren ist der Fuldaer Karnevalverein Südend. Der Verein sah sich plötzlich dem Vorwurf des Rassismus ausgesetzt, weil die Mitglieder Kolonialuniformen tragen und sich dazu „schwarz“ schminkten („Black Facing“). Die Drohungen und Anschuldigungen waren so massiv, dass der Verein im Fuldaer Rosenmontagsumzug nur unter Polizeischutz mitgehen konnte.

Auch die sog. „Kölner Stämme“ haben es seit Jahren schwer. Einige haben schon aufgegeben. Insbesondere Gruppen, die sich „Neger“ nennen oder sich als solche verkleiden, stehen immer stärker in der Kritik. Rund ein Dutzend dieser Stämme mit Namen wie „Negerköpp“, „Vringsveedeler Dschungelbröder“, „Löstige Kölsche Afrikaner“ (die 1953 Josephine Baker als Ehrenmitglied begrüßten) oder „Neppeser Kannibale“ gab oder gibt es in Köln.

Wer sich schwarz bemale, Baströckchen anziehe und Knochen ins Haar stecke, würde damit allzu unkritisch die Bilder aus der Kolonialzeit heraufbeschwören. Für afrodeutsche Menschen sei das alles eine Zumutung. „Primitive“ Schwarze gehörten nicht mehr in den Karneval.

Viele Vereine haben reagiert. So benannte sich nach 55 Jahren als „Mülheimer Neger“ die Karnevalsgesellschaft in „Müllemer Klütte“ – weil Nachbarn sich beim Antidiskriminierungsbüro beschwert und das Vereinsschild abgeschraubt hatten.

Andere beschwichtigen und verweisen auf die lange Tradition der Vereine. Man solle nicht mit „Kanonen auf Spatzen“ schießen. Der Karneval sei tolerant und die Vereine und Verkleidungen eine lange Tradition. Sie seien nicht Ausdruck von Abschätzigkeit oder Überheblichkeit gegenüber anderen Völkern – im Gegenteil.

Doch die Diskussion geht weiter: auch Indianerkostüme gelten nunmehr manchen, die darüber reflektieren, schon als untragbar: Diese Kostüme bagatellisieren den Verteidigungskampf der amerikanischen Ureinwohner gegen die weißen Eroberer. Und auch die Mongolen seien keineswegs so wild, wie sie im Karneval und einigen Vereinen dargestellt würden – Klischees und Arroganz gingen hier Hand in Hand.

Andere Kostüme wie etwa den Scheich oder als Wikinger gelten derweil noch als unkritisch.

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